Sternabend und Ferienspiel: Vom Mond zum Mars

Kahlenberg, 9. August 2003

Bedingungen: Heiss, am Horizont leichte, hohe Wolken, kein Wind. Gute Bedingungen!

Das charakteristische an einer guten Idee ist, dass sie sich innerhalb kurzer Zeit zu einer Institution wandelt. So passiert mit unseren Sternabenden auf dem Kahlenberg. Erst vor einem Jahr eingeführt, wurden sie bald bekannt und beliebt. Und erreichen heute einen kaum zu überbietenden Höhepunkt. Vor allem auch deshalb, weil heute Sternabend und Ferienspiel zusammen fallen.

Das gute Wetter und der gestrige Ansturm im Donaupark hatten uns alarmiert und wir haben vorgesorgt, unsere Instrumentenflotte noch einmal aufgestockt, sind heute mit 6 grösseren Teleskopen (30cm-, 25cm- und 4 x 20cm-Spiegelteleskope) und einigen kleineren Instrumenten vertreten. Dazu noch unser Informationszelt, da kann eigentlich nichts schiefgehen.



Sehr gute Bedingungen heute - sogar die Donau ist blau!

So finden sich schon lange vor Beginn des Sternabends unsere Aktiven mit ihren Instrumenten ein und sehr zum Erstaunen vieler Touristen bauen wir unsere Station auf. Winer Gäste ahnen, dass das ganze mit dem Mars zu tun hat; die Mendien berichten ja bereits ausführlich. Leider hat niemand richtig erklärt, dass Mars durchaus für einige Wochen zu sehen ist, bis Ende September recht attraktiv ist, und nicht nur eine kurzzeitige Erscheinung. Und vor allem, dass Mars jetzt noch nicht am frühen Abend zu sehen ist ...


Reges Interesse an den Info-Tafeln

Die Menge wartet auf Mond und Mars

Beratung für Gross und Klein

Zuerst zum Mond

Dunstwolken am Horizont bescheren uns ein interessantes Wettrennen; während der Mond höher steigt, steigt auch der Dunst, und wiederholt versucht der Erdtrabant vergeblich, den Wolken zu entkommen. Doch er kann dieses Rennen nur gewinnen. Die Wolken werden im Lauf der Nacht weniger, und die Drehung der Erde hebt den Mond schliesslich hoch genug, um ihn über den Wolken strahlen zu lassen.


Der Mond geht über unserer abendlichen Stadt auf

Der Mond ist doch der beste Promotor für Astronomie; alle erkennen spielend die Mondlandschaften im Fernrohr und sind von deren Vielfalt, aber auch von deren abweisender Rauhheit beeindruckt. Bald bilden sich an den Instrumenten lange Schlangen, aber auch nicht so lang, denn wir haben ja viele Rohre auf unseren Begleiter gerichtet. Und für alle, die warten, gibt es im Rahmen des Ferienspiels ja unser beliebtes Weltraumspiel, in dem wir erklären, wie kompliziert es ist, zum Mond zu gelangen. Und erst zum Mars, doch darüber später ...


Ein Blick wie aus dem Raumschiff

Unsere Rakete fliegt zum Mond!

Alle Fernrohre sind jetzt ...

... auf das gleiche Ziel gerichtet.

Der Mond im Fernrohr ...

... begeistert aber auch wirklich ...

... alle!

Wir können uns überzeugen, wie der Mond in Sommernächten eine tiefe Bahn über den Himmel zieht. Haben wir doch gerade erst seinen Aufgang hinter den Wolken erlebt, so steht er jetzt schon hoch im Süden. Und gegen Ende unseres Sternabends sinkt er sogar schon wieder nach Südwesten.


Tief steht der sommerliche Mond über Wien

High Tech unterm Sternenzelt

Wir sind heute auch wieder sehr modern ausgestattet. Mehrere unserer Teleskope sind mit Computersteuerung versehen und finden ihre Ziele am Himmel ganz von alleine. Zwei Teleskope sind mit digitalen Kameras ausgestattet und erlauben so den gemeinsamen Blick zu den angepeilten Zielen. Auch wenn das nicht so romantisch ist wie selbst durchzuschauen. Denn: Fernsehbilder ansehen kann man auch von Zuhause ...


Wurstelprater goes digital

Holen wir uns den Mars ganz nahe heran

Mond und Mars am Fernsehschirm

Und dann zum Mars

Gerade, als wir beginnen, in unserem Informationszelt über Mars und die laufenden Weltraummissionen zu erzählen, taucht der Rote Planet aus den Wolken auf. Zuerst zaghaft, dann aber hell rund orangerot. Ein erster Blick durchs Fernrohr überrascht: Während unsere eigene Lufthülle in Richtung Mond recht unruhig war und die Mondlandschaft im Fernrohr ordentlich verschwimmen liess, ist der Blick in Richtung Mars - über die Weingärten - ruhig und im Fernrohr kommen viele Details deutlich heraus. Einer der besten Marsabende heuer! Da hält es niemanden mehr und alle strömen wieder zu den Fernrohren. Für viele ist es der erste Blick auf diese rätselhafte, "nahe" und doch so ferne Welt.


Roter Planet noch röter: Mit einem
Orangefilter erkennt man Details der auf
der Oberfläche noch deutlicher

Mars in seinen natürlichen Farben.
So erkennt man ihn im Fernrohr, wenn
die Sicht einigermassen gut ist.

Roter Planet weniger rot: Mit einem
Blaufilter verstärken wir Details der
Marsatmosphäre.


Was sehen wir da eigentlich? Ein
Marsglobus hilft beim Orientieren


Es ist nach 23 Uhr und wieder bilden
sich Schlangen an den Teleskopen!

Mars sieht im Fernrohr in etwa so aus, wie der Mond mit freiem Auge. Nur die helle Polkappe ergibt einen deutlichen Unterschied, und ihr gilt auch das Hauptinteresse unserer Gäste. Woraus besteht sie? Ach, es ist eine Wolke, unter der die Polkappe liegt. Kann man auf Mars atmen? Ach so, nein. Und alle zeigen sich erstaunt, wie klein ein Planet im Fernrohr eigentlich erscheint. Ja, die Bilder in den Zeitschriften, die stammen halt von Weltraumsonden ...

Unser Video-Equipment hat es hier auf dem Kahlenberg übrigens gar nicht leicht; der nahe Fernsehsender schickt arge Störsignale durch alle Kabel, manche Fernrohre haben sogar Probleme mit der Stromversorgung. Ob es eigentlich gesund ist, so viele Stunden hier zu verbringen? Andererseits, es wohnen sogar Leute hier auf dem Berg.


Mars steht hoch über Wien

Ausklang

Vor vielen Jahren, ich war damals noch für eine andere Institution tätig, hatten wir eine Ferienspielveranstaltung um 19 Uhr angesetzt; sie wurde zum totalen Flop, keine Familie ging um diese Zeit mehr zu einer Veranstaltung. In den letzten Jahren haben wir die Beginnzeiten unserer Veranstaltung im Sommer sukzessive nach hinten verlegt, um der späten Dunkelheit im Sommer und der Sommerzeit zu begegnen. Und schon voriges Jahr hatten wir mit 19.30 Uhr keine Probleme, der Zustrom war gross, und wir hatten Venus, die schon bei Tag gut zu sehen ist.

Heuer haben wir sogar 20.30 Uhr als Beginnzeit gewählt. Und der Zustrom ist ungebrochen. Viele Familien bleiben bis nach Mitternacht - die Zeiten haben sich wahrlich geändert, der Tag endet nicht mehr mit der Zeit im Bild, die Nacht wurde zum Bestandteil unseres Lebens. Die Astronomie ist einer der grossen Gewinner dieser Entwicklung. Ein anderer hat ein "G" vorne dran ...

Es ist gegen 23 Uhr und noch immer sind gut 100 Leute auf der Terrasse. Ich tausche mit Renate Weiland alte Erinnerungen an die Urania-Sternwarte aus; um diese Zeit hätte uns der Nachportier gerade mit allen unseren Besucherinnen und Besuchern hinauskomplimentiert, egal, ob schon alle durchgeschaut haben oder nicht.


Kinder bewundern die Vega
mit einem "Dobson"

Hier ist der schöne Doppelstern
Albireo im Visier

Und hier werden andere Wunder
des Nachthimmels bestaunt

So gegen 0.30 Uhr verlassen die letzten Gäste unsere Station und wir bauen ab. Wir haben an diesem Sternabend einen einsamen Rekord von 330 Besucherinnen und Besuchern verzeichnet, das ist eigentlich unglaublich und normalerweise nicht zu bewältigen. Doch die Anzahl der Fernrohre (letztlich 8) und die Zeit (vier Stunden) haben ein Chaos vermieden.

Unsere mobile Sternwarte mit ihren Sternabenden und Ferienspiel-Aktivitäten kann und will keine berufsmässige Volkssternwarte ersetzen. Dort geht es um fundierte Inhalte, einen Bildungsschwerpunkt pro Führung, der nur einer begrenzten Anzahl an Gästen sinnvoll vermittelt werden kann, soll das Ziel erreicht werden. Hier bei uns, das ist ein grosser Spielplatz mit Fernrohren, eine Aktivität, die Hunger auf Astronomie machen soll, Lust auf mehr, das Interesse wecken. Und das tut sie! Astronomie ist "in", das spüren wir an Abenden wie diesen deutlich.


Ein Blick "von oben": Mobile Sternwarte
grüsst ortsfeste Sternwarte!

Danke an alle aktiv Mitwirkenden, die bis spät in die Nacht ausgeharrt haben. Man merkt, es macht Euch Spass!

Alexander Pikhard