Sommerworkshop/Summer Star Party

Hohe Wand, Alpengasthof Postl, 21. bis 23. August 2026

Die Terminfindung für diesen Sommerworkshop war nicht einfach; im Juli wären die Nächte noch zu kurz (dennoch, wir wählten später diesen Termin als Ersatz für den völlig ins Wasser gefallenen Frühjahrsworkshop), das Neumondwochenende im August zu kurz nach der Sonnenfinsternis. Wir wollten allen, die zur totalen Finsternis gereist waren, Gelegenheit zur Workshopteilnahme geben. Also blieb nur dieses Wochenende mit ziemlich fortgeschrittener Mondphase. Da der Mond aber um diese Jahreszeit sehr tief am Himmel steht, nahmen wir das in Kauf.

Die Wetterprognose war anfänglich sehr schlecht für dieses Wochenende. Erst im Lauf der Woche zeigten sich kleine Lichtblicke. Wir entschieden uns gegen eine Absage, da wir speziell für den Praxisworkshop eine Menge wichtiger Arbeiten zu erledigen hatten und dieser bei jedem Wetter stattfinden kann.

Letztlich sollte es besser kommen als erwartet.

Freitag, 21. August

Der Nachmittag und Abend des Freitag präsentieren sich wolkenverhangen, so wie es die Wettermodelle vorhergesagt haben. Doch letztlich gibt es auch die prognostizierten Wolkenlücken und tatsächlich können wir zumindest den tief stehenden Mond beobachten. Also gehen wir schon in der ersten Nacht nicht ganz leer aus. Später kommt Sturm auf, der die Nacht recht unruhig werden lässt.

Am Nachmittag und Abend des 21. August präsentiert sich der Himmel bedeckt. Die versprochenen Wolkenlöcher gibt es aber, und kurz zeigt sich der Mond, bei sehr schlechtem Seeing. Der Wind wird stärker und erreicht nach Mitternacht Sturmstärke. (Mit Mausklick vergrößern)

Samstag, 22. August

Sonnenbeobachtung

Der Samstag präsentiert sich schon wesentlich freundlicher. Der starke Wind hat sich gelegt und am Himmel gewinnt das Blau die Oberhand über die Wolken. Nach dem Frühstück sollte sich ein Blick zur Sonne ausgehen. Aus dem Blick wird aber eine wundervolle, mehrstündige Sonnenbeobachtung an drei Teleskopen und in drei Wellenbereichen.

Der Morgen des 22. August präsentiert sich schon viel freundlicher. (Mit Mausklick vergrößern)

Zunächst stellt Alex sein Acuter-Sonnenteleskop auf (Acuter Elite Phoenix 40/400). Es liefert sehr schöne Bilder der Sonne im Licht der H-Alpha-Linie. Ein Foto mit der Lacerta PlanetPro178GM-3, einer monochromen Planetenkamera. (Mit Mausklick vergrößern)

Dann stellt Vico sein Lunt LS100MT/B3400R&B auf, ein Sonnenteleskop der Spitzenklasse. Es verfügt über ein H-Alpha-Double-Stack Modul Lunt DSII/SFPT und einen Ca-K Filter Lunt LS18CaKMDd2. Hauskatze Franziska verfolgt andere Ziele ... (Mit Mausklick vergrößern)

Beobachtung und Fotografie der Sonne im Licht der Ca-K-Linie. Visuell eine Herausforderung, mit der monochromen Planetenkamera ASI 183MM aber kein Problem - und wow! (Mit Mausklick vergrößern)

Beobachten und Aufnehmen der Sonne mit dem Double Stack Modul. Lunt LS100MT/B3400R&B Sonnenteleskop mit H-Alpha-Double-Stack Modul Lunt DSII/SFPT. Und: Ein First Light für den Weißlicht-Sonnenfilter an einem Skywatcher Maksutov. (Mit Mausklick vergrößern)

Praxisworkshop

Der Praxisworkshop findet im Gebäude statt, denn heute stehen knifflige handwerkliche Aufgaben an.

  1. Wir haben für unsere beiden hier stationierten Dobsons, den 12,5" Portaball und den 25", ein neues Set von Pentax-Okularen angeschafft und für dieses muss ein Zubehörkoffer präpariert werden. Koffer und Schaumstoff wurden im Vorfeld angeschafft, das nötige Werkzeug - allen voran scharf zugeschnittene Blechdosen - wurde mitgebracht.

    Nach dem Einpassen der Schaumstofflagen folgt das Design; was soll wohin? Dann geht es ans Bohren der Löcher, in die die Okulare kommen sollen. Schließlich noch drei Rechtecke für die Filter ausschneiden, fertig. Verklebt wird beim nächsten Workshop.

  2. Bei Aufnahmen auf unserer Remotesternwarte auf Hakos, Namibia, war ein störendes Artefakt im Bild aufgefallen. So ließen wir die Kamera tauschen und ich nahm sie von meinem letzten Aufenthalt dort nach Wien mit. Heute steht die Reinigung der Kamera an, eine Arbeit, die wir vor Ort nicht durchführen können hätten. Eine heikle Sache, die eigentlich einen Reinraum erfordert hätte, so mussten wir halt besonders sorgfältig arbeiten.

  3. Schließlich stehen noch Arbeiten am 25" Dobson an, unserem Dauerpatienten. Vor allem ein durchrutschendes Reibrad am Höhenenkoder machte Probleme. Wir konnten die Situation verbessern, eine Lösung wird aber einen größeren Umbau erfordern.

Samstagnachmittag, Astropraxisworkshop. Aufgabe 1: Wir haben für unsere Dobsons einen Satz Pentax-Okulare angeschafft, für die muss jetzt ein passender Koffer eingerichtet werden. Nebenbei müssen die Okulare auch in unserer Datenbank inventarisiert werden. (Mit Mausklick vergrößern)

Samstagnachmittag, Astropraxisworkshop. Aufgabe 2: Eine der Kameras der WAA-Remotesternwarte auf Hakos muss gereinigt werden. Eine Staubfaser war in das Gehäuse gekommen und hatte sich direkt auf dem Sensor niedergelassen. Dies erfordert viel Sorgfalt und mehrere Hände. Nach erfolgreicher Reinigung kann die Kamera jetzt wieder nach Hakos. (Mit Mausklick vergrößern)

Samstagnachmittag, Astropraxisworkshop. Aufgabe 3: Weitere Reparaturarbeiten am 25" Dobson. Das Reibrad für den Höhen-Encoder rutscht durch. Ein rascher Eingriff hilft, doch da muss noch mehr geschehen, die Konstruktion ist ... fragwürdig. (Mit Mausklick vergrößern)

Summer Star Party

Der Abend nach dem Workshop wird immer freundlicher; zwar halten sich speziell vor dem Mond noch etwas länger Wolken, doch das hält alle, die heute trotz der ungünstigen Wetterprognose gekommen sind, nicht ab, aufzubauen. Wegen anfänglich stärkerem Windes bauen wir direkt vor dem Gasthof auf, das große Gebäude gibt uns ausreichenden Windschutz. Auch die beiden Dobsons sind dabei.

Der Abend des 22. August verläuft freundlich und macht Hoffnung für die kommende Beobachtungsnacht. (Mit Mausklick vergrößern)

Für eine echte Summer Star Party war die Wetterprognose zu schlecht. Aber unter einem immer mehr aufklarenden Himmel bildet sich eine Mini Summer Star Party. Die beiden großen Dobsons (12,5" Portaball und 25") dürfen da nicht fehlen. (Mit Mausklick vergrößern)

Es klart auf, immer deutlicher kommt der Mond heraus. Sein Licht wird zwar stören, aber das trübt die Stimmung nicht. Auch Venus zeigt sich noch kurz in der Abenddämmerung. (Mit Mausklick vergrößern)

Im Licht des tief stehenden Mondes wird lange beobachtet. Das Seeing ist zwar mäßig, aber die Durchsicht ist exzellent. Alles ist vertreten, vom kleinen Smart Telescope bis zum 25" Dobson. Die Blicke durch dieses große Teleskop werden uns lange in Erinnerung bleiben: M13, fast bildfüllend, aufgelöst bis ins Zentrum; der Ringnebel in der Leier mit Zentralstern und angedeuteten Farben am Rand, im O III-Filter mit Halo; Katzenaugennebel NGC 6543, Blue Snowball NGC 7662 und NGC 7027, beeindruckend mit vielen Details; der Hantelnebel, fast bildfüllend, mit Zentralstern und zahlreichen Details in der Nebelstruktur; Pease 1 in M15; und nicht zuletzt Saturn, trotz schlechtem Seeings, mit C-Ring und 7 Monden. (Mit Mausklick vergrößern)

Die, die heute gekommen sind, sollten belohnt werden mit einer wirklichen Spizennacht; zwar ist das Seeing lausig und ganz selten zieht eine kleinere Wolke rasch durch, die Transparenz ist aber einzigartig. Die freisichtige Grenzgröße liegt nahe der sechsten Größenklasse, die Milchstraße dominiert den Himmel, später in der Nacht zieht sie durch den Zenit.

Unter derart klarem Himmel zeigt vor allem der 25" Dobson, was er kann. M13, fast bildfüllend, aufgelöst bis ins Zentrum; der Ringnebel in der Leier mit Zentralstern und angedeuteten Farben am Rand, im O III-Filter mit Halo; Katzenaugennebel NGC 6543, Blue Snowball NGC 7662 und NGC 7027, beeindruckend mit vielen Details; der Hantelnebel, fast bildfüllend, mit Zentralstern und zahlreichen Details in der Nebelstruktur; Stephans Quintett deutlich mit fünf Galaxienkernen; M33 mit zahlreichen Knoten in den Spiralarmen; Pease 1 in M15; und nicht zuletzt Saturn, trotz schlechtem Seeings, mit C-Ring und 7 Monden inkl. Hyperion. Und das war lange nicht alles.

Ein paar fotografische Highlights dieser Nacht:

Foto-Kostproben dieser Nacht: Der zunehmende Mond. Canon EOS 90D an 1.000mm Tele f/10 stehend, 60 x 1/250s bei 400 ISO. AS!4 - Registax Wavelet - Photomatix pro HDR - ACDSee. (Mit Mausklick vergrößern)

Foto-Kostproben dieser Nacht: Vega. ZWO SeeStar S30pro, 16 x 20s, interne Verarbeitung, ACDSee. (Mit Mausklick vergrößern)

Foto-Kostproben dieser Nacht: Der Kokon-Nebel IC 5146 im Schwan. ZWO SeeStar S30pro, 63 x 60s, interne Verarbeitung, ACDSee. (Mit Mausklick vergrößern)

Foto-Kostproben dieser Nacht: Der Cirrus-Nebel NGC 6960 im Schwan. ZWO SeeStar S30pro, 64 x 60s, interne Verarbeitung, ACDSee. (Mit Mausklick vergrößern)

Foto-Kostproben dieser Nacht: Die Andromeda-Galaxie M31 mit Begleitern M32 und M110. ZWO SeeStar S30pro, 65 x 60s, interne Verarbeitung, ACDSee. (Mit Mausklick vergrößern)

Foto-Kostproben dieser Nacht: Die Plejaden, M45. ZWO SeeStar S30pro, 32 x 60s, interne Verarbeitung, ACDSee. (Mit Mausklick vergrößern)

Die Milchstraße läuft durch den Zenit. Links der Blick nach Südwesten, rechts der Blick nach Nordosten. Fisheye-Aufnahmen. (Mit Mausklick vergrößern)

Kein Wunder, dass es recht spät bzw. früh wurde.

Sonntag, 23. August

Auch der Sonntagmorgen präsentiert sich sehr freundlich und nach dem Frühstück gibt es noch einmal eine gemeinsame Sonnenbeobachtung.

Auch am 23. August ist der Morgen sehr freundlich. Nach dem Frühstück noch einmal Sonnenbeobachtung mit dem Acuter Elite Phoenix 40/400 und dem Skywatcher Maksutov. Danach treten wir zufrieden die Heimreise an. (Mit Mausklick vergrößern)

Dann geht es aber heim. Ein Fazit? Aufgeben tun wir nur Briefe (symbolisch). Dieser Sommerworkshop, er wurde doch noch zur Summer Star Party. Klein, aber fein. Belohnt wurden die Optimisten, die gemeint haben "besser kann es immer werden".

Herzlichen Dank an alle, die mitgeholfen haben beim Organisieren, Schrauben, Putzen, Schleppen und an die, die für gute Stimmung gesorgt haben!

Text: Alexander Pikhard
Fotos: Alexander Pikhard, Christa Plassak


Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie.
www.waa.at