Das Jahr 2027

Ein astronomischer Überblick

Alexander Pikhard

Kurzfassung

Den Anfang der astronomischen Höhepunkte in diesem durchaus interessanten Jahr machen die Marsopposition 2027 am 19. Februar und die mit der Erdnähe des Mars am nächsten Tag (20. Februar) zusammenfallende partielle Halbschatten-Mondfinsternis. Mit einer Annäherung von lediglich 101,44 Mio. km ist die Aphel-Opposition des Mars die ungünstigste über einen Zeitraum von vielen Jahrhunderten, was nur durch die - räumlich und zeitlich - nahe Opposition des Jupiter wettgemacht wird. Eine dreifache Konjunktion Mars-Jupiter wie 1979/80 geht sich aber nicht aus. Die Sonnenfinsternis vom 2. August 2027 wird bei uns als eine durchschnittliche partielle zu beobachten sein, im südlichen Mittelmeerraum und vor allem in Ägypten aber als Sonnenfinsternis des Jahrzehnts: Es handelt sich um eine totale Sonnenfinsternis mit einer maximalen Dauer von 6:23 Minuten in der Nähe von Luxor. Damit ist sie die zweitlängste totale Sonnenfinsternis im 21. Jahrhundert nach jener von 2009. Einige interessante Bedeckungen durch den Mond machen 2027 zu einem ziemlich spannenden Astrojahr: Sigma Sagittarii (Nunki) am 24. Mai (einigermaßen günstig) und 13. August (auch halbwegs günstig in der Dämmerung), Plejaden (M45) am 24. August (günstig), 14. November (ungünstiger bei Vollmond) und 12. Dezember (sehr ungünstig bei tief stehendem Vollmond).

Kalender, Sonne und Mond

Kalender

2027 ist im gregorianischen Kalender ein Gemeinjahr mit 365 Tagen, der Februar hat 28 Tage. Bewegliche Feiertage:

  • Ostersonntag: 28. März
  • Christi Himmelfahrt: 6. Mai
  • Pfingstsonntag: 16. Mai
  • Fronleichnam: 27. Mai

Erdbahn und Jahreszeiten

Die Sonne ist zu diesen besonderen Lagen nicht notwendigerweise von Wien aus sichtbar. Frühester bzw. spätester Sonnenauf- oder -untergang fallen wegen der Zeitgleichung nicht mit den Sonnenwenden zusammen.

Besondere Mondlagen und -phasen

  • Vollmond in Erdferne: 18. Juli, 17.44 Uhr MESZ (Finsternis)
  • Südlichster Vollmond: 19. Juni, 02.44 Uhr MESZ (δ = -27,0°)
  • Vollmond in Erdnähe: Findet 2027 nicht statt!
  • Nördlichster Vollmond: 13. Dezember, 17.08 Uhr MEZ (δ = +26,5°)

Der Mond ist zu diesen besonderen Lagen und Phasen nicht notwendigerweise von Wien aus sichtbar.

Siehe auch weiter unten Finsternisse und Bedeckungen!

Planeten

Merkur

Merkur zeigt 2027 in Mitteleuropa zwei Abend- und zwei Morgensichtbarkeiten. Alle vier sind günstig.

Venus

Ende Oktober 2026 begann eine Morgensichtbarkeit, die ihren Höhepunkt am Jahreswechsel 2026/27 erreichte und ab März 2027 sehr unauffällig wird, obwohl Venus an sich noch bis Juli kurz in der Morgendämmerung zu sehen ist. Am 12. August steht sie in oberer Konjunktion mit der Sonne. Erst Mitte Oktober taucht Venus in der Abenddämmerung auf. Erst im Dezember wird die Abendsichtbarkeit auffälliger. Fazit: 2027 macht sich Venus rar. Nur im Jänner und Februar steht sie auffällig am Morgen- und im Dezember am Abendhimmel, dazwischen bleibt sie unauffällig oder gar nicht sichtbar.

Begegnungen

Mars

Mars steht am 19. Februar 2027 in Opposition zur Sonne. Er zieht seine Oppositionsschleife vor dem Kopf des Löwen unweit von Jupiter, der am 11. Februar in Opposition steht. Aufgrund des zeitlichen Abstands der beiden Oppositionen geht sich keine dreifache Konjunktion zwischen Mars und Jupiter aus. Es gibt aber eine dreifache Konjunktion mit Regulus, bei der 2027 Begegnungen am 21. Februar und 15. Mai stattfinden.

Die Marsopposition 2027 ist eine Aphel-Opposition und damit von der Entfernung her so ungünstig wie nur möglich. Die Erde kommt dem Roten Planeten lediglich auf 101,4 Mio. km nahe, der scheinbare Durchmesser von Mars beträgt selbst in Erdnähe nur weniger als 14 Bogensekunden. Mit einer scheinbaren Helligkeit von -1,2 in Opposition bleibt Mars auch deutlich schwächer als Jupiter.

Nach der Oppositionsphase wird die Marssichtbarkeit im Sommer und Herbst 2027 bald sehr unauffällig. Die Begegnung mit Venus Ende November wird ein letzter Höhepunkt, ehe die Sichtbarkeitsperiode 2026/27 mit Ende des Jahres endet.

Begegnungen

Jupiter

Jupiter steht am 12. März 2027 in Opposition und am 31. August 2027 in Konjunktion zur Sonne. Zweite Nachthälfte zu Jahresbeginn, fast die ganze Nacht von Anfang Jänner bis Ende März (Opposition am 11. Februar im Sternbild Löwe), Erste Nachthälfte im Frühjahr, Abendhimmel bis 27. Juli. Morgenhimmel ab 12. September, zu Jahresende zweite Nachthälfte.

In der Saison 2026/27 zeigt sich das System der Galileischen Monde von der Kante und es kommt zu gegenseitigen Jupitermondereignissen.

Saturn

Anfang des Jahres ist Saturn noch bis Anfang März am Abendhimmel zu sehen. Am 25. März 2026 steht er in Konjunktion zur Sonne. Saturn taucht Mitte Mai 2026 am Morgenhimmel auf. seine Sichtbarkeit verlagert sich nach und nach vom Morgenhimmel bis in die ganze Nacht, Opposition ist am 4. Oktober 2026. Bis Jahresende verlagert sich die Sichtbarkeit in die erste Nachthälfte.

Uranus und Neptun

Uranus bewegt sich im Stier nördlich der Hyaden und ist ein Objekt am Winterhimmel. Neptun wandelt im Grenzbereich Fische/Walfisch und ist ein Objekt am Herbsthimmel.

Finsternisse und Bedeckungen

Sonnenfinsternisse

2027 finden zwei Sonnenfinsternisse statt, von denen eine (am 2. August) bei uns partiell zu sehen ist und deren Zone der Totalität unter anderem durch Spanien und Nordafrika verläuft.

Mondfinsternisse

2027 finden drei Halbschatten-Mondfinsternisse statt, von denen nur die vom 20. Februar bei uns zu sehen ist.

Bedeckungen

2027 kommt es zu keiner Bedeckung eines hellen Planeten oder Sterns erster Größe durch den Mond. Die aktuellen Bedeckungsserien von Antares und Regulus führen 2027 zu keiner Erscheinung. Allerdings kommt es zu Bedeckungen des hellen Sterns Nunki (σ Sgr) und der Plejaden.

Übersicht für die nächsten Jahre:

Weitere interessante Erscheinungen

Kometen

Aus derzeitiger Sicht sind für 2027 nicht allzu viele Kometen zu erwarten, die interessante Beobachtungsobjekte werden könnten. Aus heutiger Sicht erscheinen erwähnenswert:

Eine sehr gute Übersicht über die aus heutiger Sicht zu erwartenden Kometen gibt es hier von Seiichi Yoshida:

Zwergplaneten und Asteroiden

Hellere Zwergplaneten und Asteroiden, die 2027 in Opposition zur Sonne stehen:

Immer wieder nähern sich der Erde sogenannte Erdbahnkreuzer.

Meteore

StromvonbisMaximumZHRMondphase
Quadrantiden28. Dezember12. Jänner4. Jänner110nach letztem Viertel
Lyriden14. April30. April23. April18um Vollmond
Eta-Aquariden19. April28. Mai6. Mai50um Neumond
Südliche Delta-Aquariden12. Juli23. August30. Juli25nach letztem Viertel
Perseiden17. Juli24. August13. August100nach erstem Viertel
Draconiden6. Oktober10. Oktober9. Oktober10um erstes Viertel
Orioniden2. Oktober7. November22. Oktober20um letztes Viertel
Leoniden6. November30. November18. November10nach Vollmond
Geminiden4. Dezember20. Dezember14. Dezember150um Vollmond
Ursiden17. Dezember26. Dezember23. Dezember10nach letztem Viertel

Ausblick auf die kommenden Jahre

2028

Rein quantitativ hat auch 2028 einiges zu bieten, allerdings sind viele der besonderen Himmelsereignisse mehr oder weniger grenzwertig. Auf den ersten Blick klingen die drei Mondfinsternisse gut; die erste, eine partielle Mondfinsternis am 12. Jänner ist allerdings minimalistisch. Die zweite, eine partielle Mondfinsternis am 6. Juli ist bei uns nur äußerst unvollständig zu sehen. Erst die dritte, eine totale Mondfinsternis am 31. Dezember, also am allerletzten Abend des Jahres, ist gut zu beobachten und gleichzeitig der astronomische Höhepunkt des Jahres. Die beiden Sonnenfinsternisse vom 26. Jänner und 22. Juli sind bei uns nicht zu sehen (dass die Sonne am 26. Jänner zu 1% verfinstert untergeht ist unbeobachtbar). Erstere aber beendet als ringförmige Sonnenfinsternis die Serie von drei zentralen Finsternissen in Spanien innerhalb von nur zweieinhalb Jahren. Die drei besonderen Bedeckungen durch den Mond sind ebenfalls grenzwertig. Die Bedeckung der Plejaden am 5. Februar ist die letzte bei uns beobachtbare der aktuellen Serie, findet aber sehr knapp über dem Horizont statt. Das gleiche gilt für die Bedeckung von Antares am 13. April, nur ganz tief und kurz nach Mondaufgang. Die Bedeckung der Venus am 25. Mai ist ebenfalls extrem schwierig zu beobachten, bei Tag und tief am Horizont.

2029

Die größte astronomische Besonderheit im Jahr 2029 ist, dass es weltweit zu keiner zentralen (totalen oder ringförmigen) Sonnenfinsternis kommt. Dafür finden gleich vier partielle Sonnenfinsternisse statt: 14. Jänner, 12. Juni, 11. Juli und 5. Dezember. Von diesen vier ist aber nur die partielle Sonnenfinsternis am 12. Juni bei uns sichtbar, und dies nur unvollständig bei Sonnenaufgang. Das Jahr 2029 wartet auch mit zwei totalen Mondfinsternissen auf. Während die totale Mondfinsternis am 26. Juni bei uns nur sehr unvollständig sichtbar ist und der Mond bald nach Beginn der Totalität untergeht, ist die totale Mondfinsternis in der Nacht vom 20. auf den 21. Dezember bei uns in vollem Verlauf zu sehen; dies ist die erste totale Mondfinsternis seit dem Jahr 2007, auf die dies bei uns zutrifft. Im Jahr 2029 findet die nächste Marsopposition am 25. März statt, allerdings auch eine der ungünstigen Oppositionen in Aphelnähe des Roten Planeten. Ungewöhnlich: 2029 gibt es nach längerer Zeit keine hervorhebenswerten Bedeckungen von Gestirnen durch den Mond.

2030

Zwei Mondfinsternisse, allerdings keine herausragenden. Die erste, eine partielle Mondfinsternis am 15. Juni ist leider nur unvollständig und ungünstig in der Abenddämmerung bei uns zu sehen. Die zweite ist zwar vollständig bei uns zu sehen, aber eben nur eine partielle Halbschatten-Mondfinsternis am 9. Dezember. Von den beiden Sonnenfinsternissen des Jahres ist die ringförmige Sonnenfinsternis am 1. Juni bei uns partiell zu sehen und mit der Ringförmigkeit in Griechenland und der Türkei vielleicht eine Reise wert. Die totale Sonnenfinsternis vom 25. November ist fast nur im südlichen Indischen Ozean zu sehen, aber eben auch in Namibia, Botswana, Südafrika und Australien. Die Bedeckung von Dschubba am 17. Mai durch den Vollmond ist die einzige Bedeckung eines helleren Objekts durch den Mond in diesem Jahr.

2031

Dieses Jahr ist ärmer an besonderen astronomischen Ereignissen. Von den drei Halbschatten-Mondfinsternissen dieses Jahres ist nur die partielle Halbschatten-Mondfinsternis am 7. Mai bei uns teilweise zu sehen. Von den beiden Sonnenfinsternissen des Jahres ist keine von Europa aus beobachtbar. Das interessanteste Himmelsereignis ist die streifende Bedeckung von Jupiter durch den Mond schon ziemlich am Anfang des Jahres. Im Jahr 2031 findet die nächste Marsopposition am 5. Mai statt.

 

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